„Im richtigen Ton kann man alles sagen,
im falschen Ton nichts“,
sagte Bernard Shaw.

Stimme - Der Ton macht die Musik

Flüstern oder brüllen, jubeln oder weinen, bitten oder fordern, verführen oder abschrecken, ein Glas zerspringen lassen – singen: Die menschliche Stimme ist akustischer Fingerabdruck und Ausdruck der Persönlichkeit. Sie offenbart unsere innere Haltung, unseren seelischen Zustand und ist das wichtigste Kommunikationswerkzeug, um Gedanken, Gefühle, Stimmungen, Träume auszudrücken, ihnen Gehör zu verschaffen. Wir beurteilen eine uns unbekannte Person zu 50 Prozent nach dem Klang ihrer Stimme. Ein angenehmes Timbre trägt also wesentlich zum Erfolg bei.

Bis heute ist es nicht gelungen, ein Musikinstrument zu bauen, das es mit der menschlichen Stimme, ihrer Elastizität, ihrer Beweglichkeit und ihrem Resonanzkörper aufnehmen könnte. Sie entsteht durch das perfekte Zusammenspiel und die exakte Abstimmung von Atmung, Stimmlippen- und Sprechbewegungen. Es sind die kompliziertesten Bewegungen, zu denen der Mensch fähig ist. Dabei ist der gesamte Körper im Einsatz – als Resonanzraum. Das ist auch der Grund, weshalb Männer (meist) eine tiefere Stimme als Frauen haben – ihr Resonanzraum ist einfach größer. Täglich benutzen wir unsere Stimme, ohne über sie nachzudenken. Und plötzlich werden wir heiser, haben wir Kloßgefühle in der Kehle, versagt die Stimme, oder sie bleibt ganz weg. Eine Stimmstörung (Dysphonie), unter der jeder Mensch im Laufe seines Lebens mehr oder weniger ausgeprägt immer wieder mal leidet, kann viele Gründe haben: Eine Überbeanspruchung aus beruflichen Gründen wie z.?B. bei Lehrern, Rednern. Stress,seelische und psychische Probleme und Belastungen („es schnürt einem die Kehle zu“), falsche Stimm- und Sprechgewohnheiten, chronische Belastung der Schleimhaut durch schädliche Umwelteinflüsse wie Nikotin, Staub usw., Nebenwirkungen bei Medikamenteneinnahme.

Meist können solche Störungen mit dem richtigen Training von Atemmuskulatur, Lautstärke und Sprechtempo rasch wieder korrigiert werden. Hilfe dazu leisten Ärzte mit einer Spezialausbildung für Stimm- und Sprachstörungen. Sie stellen die Diagnose und erarbeiten, meist mit einer Logopädin, die passende Therapie, um die Stimme wiederherzustellen und Rückfällen bei Versagen vorzubeugen. Bei chronischen Beschwerden hilft manchmal nur die Chirurgie, bei der mithilfe von Endoskopen gutartige, schwingungsbehindernde Veränderungen an den Stimmlippen entfernt werden.

Stimm-Profis wie Sänger, Schauspieler und Moderatoren, für die eine gesunde und leistungsstarke Stimme professionelle – und existenzielle Grundvoraussetzung ist, finden seit fünf Jahren in einer speziellen „Sängersprechstunde“ am Universitäts-Klinikum Hamburg-Eppendorf eine bisher in Deutschland einzigartige Betreuung durch ein interdisziplinäres Kompetenzteam. Fachärzte für Phoniatrie und HNO-Heilkunde, Logopäden, Gesangspädagogen, nach Bedarf oder auf Wunsch auch Psychologen/Psychotherapeuten erstellen gemeinsam zuerst eine Diagnose und erarbeiten dann eine Therapie, die auf die individuellen Bedürfnisse des Klienten abgestimmt ist.