Krank im Urlaub? Nein danke!
Endlich: die Ferien stehen vor der Tür, der heiß ersehnte Urlaub rückt in greifbare Nähe. Sie wollen zu den Pyramiden oder nach Chile? Wer Reisen in ungewohnte Klimazonen oder exotische Länder plant, sollte sich vorab beraten lassen, welche Impfungen er braucht, was in der Reiseapotheke nicht fehlen sollte, wie sich Jetlag bekämpfen lässt und was speziell zu beachten ist, wenn man vor Ort in die Tiefe "abtauchen" will. HNO-Ärztin und Partnerin bei stadtaerzte.de, Dr. Kirsten Aigner, Praxis HNO am Stachus, sagt in einem Interview, wie Sie Ihren Urlaub unbeschwert geniessen können und Krankheit nicht zu den Mitbringseln gehören.
In jedes Reisegepäck gehört eine Reiseapotheke. Was sollte auf jeden Fall drin sein?
Ganz wichtig sind Medikamente gegen Schmerzen (z.B. Ibuprofen, Paracetamol) und gegen Infekte/Erkältungen (abschwellendes Nasenspray, Schleimlöser), zur Bekämpfung von Übelkeit/Erbrechen (z.B. Vomex A) und Durchfällen (Elektrolyt-Beutel wie Elotrans, Omniflora zum Wiederaufbau der Darmflora, Imodium zum Stopp des Durchfalls, nicht geeignet bei infektiösen Durchfällen). Unbedingt sollten auch ein nach Reiseziel und Hauttyp passender Sonnenschutz sowie Anti-Mückenmittel, Antiallergika und eine kleine Wundversorgung (Desinfektionsspray, Pflaster, Brand- und Wundsalbe Idelabinde, ggf. Schere, Pinzette, Einmalhandschuhe, Einmalspritze, -kanüle, Fieberthermometer) Bestandteil der Reisapotheke sein. Nach Rücksprache mit Ihrem Arzt können auch verschreibungspflichtige Mittel wie z.B. ein Antibiotikum gegen bakterielle Infekte, auch bei infektiösen Durchfällen, Metoclopramid gegen Übelkeit und Erbrechen, Scopolamin-Pflaster bei Seekrankheit und Buscopan bei Krämpfen und Koliken sinnvoll sein.
Wichtig: Medikamente, die regelmäßig eingenommen werden müssen, in ausreichender Menge mitnehmen!
Müssen dabei Reisedauer, -art und -ziel besonders berücksichtig werden?
Ja, prinzipiell gilt: Je länger die Reise und je einfacher die Reisebedingungen, umso besser ausgestattet sollte die Reiseapotheke sein. Malariaprophylaxe je nach Land und aktueller Lage.
Welche Medikamente gehören/dürfen bei Flugreisen ins Hand-gepäck?
Nach den IATA-Richtlinien (International Air Transport Association) sind Medikamente einschließlich Aerosole bis zu einer Nettomenge von 0,5 kg oder 0,5 l und einer Gesamtmenge bis zu 2 kg oder 2 l erlaubt. Die Ventile von Druckgaspackungen (Aerosole) müssen durch Schutzkappen geschützt sein, um eine unbeabsichtigte Freisetzung des Inhaltes zu verhindern.
Welche Impfungen sind nötig? Was ist Pflicht, was ist Kür?
Prinzipiell sind Impfungen „Pflicht“, die auch für Deutschland nach der STIKO (Ständige Impfkommission) empfohlen werden: Diphterie, Tetanus, Polio (Kinderlähmung), Hepatitis A und B, Masern/Mumps/Röteln/Varizellen, ggf. Pertussis (Keuchhusten), Meningokokken und Pneumokokken, Hämophilus-B, Influenza.
„Kür“ sind spezielle Indikationsimpfungen wie FMSE je nach Zecken-Risikogebiet, Typhus, Gelbfieber, Tollwut, Cholera, Meningokokken je nach Reiseziel, -bedingungen und aktuellen Empfehlungen. Unbedingt Vorschriften der jeweiligen Länder beachten! Teilweise ist eine Gelbfieberimpfung vorgeschrieben.
Wie lässt sich bei Langstreckenflügen die verwirrte "Bio-Uhr" (Jetlag) so schnell wie möglich umstellen?
Es empfiehlt sich, den Zeitrhythmus am Urlaubsort anzunehmen, ausreichend zu schlafen und möglichst keine Schlafmittel einzunehmen. Große Anstrengungen kurz nach der Ankunft sollten vermieden werden, es ist wichtig, sich erst zu akklimatisieren. Während des Langstreckenfluges und danach unbedingt ausreichend trinken! Das Mittel Melatonin, ein Hormon, das den Tag-Nacht-Rhythmus steuert und zur schnelleren Umstellung beitragen soll, ist eher kritisch einzuschätzen. Bei Langzeitmedikation (Insulin, andere Hormone) Zeitverschiebung beachten!
Fremde Länder, fremde Speisen. Gibt es Grundregeln, die für den Verzehr gelten?
Der Leitspruch „peel it, boil it, cook it or forget it“ sollte beherzigt werden und niemals Leitungswasser trinken!!! Gegebenenfalls Wasser mit geeigneten Mitteln filtern. Nicht von Gar- oder Straßenküchen essen, keinen Salat, kein halb gares oder rohes Fleisch oder Fisch verzehren. Auch frische Milchprodukten und Eier oder Eiprodukte, Speiseeis und Eiswürfel (oft aus Leitungswasser) können gefährlich sein. Trinkflaschen sollten eigenhändig geöffnet werden, sie müssen original verschlossen sein, häufig werden sie von Restaurants mit Leitungswasser neu befüllt.
Wie kann man Reiseübelkeit am besten vermeiden?
Vor der Reise abends sollten nur leicht verdauliche, fettarme und warme Mahlzeiten verzehrt werden. Bei Anfälligkeit während der Reise z.B. Salzstangen essen, nicht lesen während der Fahrt im Auto, feste Punkte oder den Horizont auf dem Schiff fixieren oder Augen schließen. Möglichst in Fahrtrichtung sitzen und schauen. Im Flugzeug einen Sitzplatz nah an den Tragflächen wählen (nah am Schwerpunkt, dort stabilere Position). Gegebenenfalls kann man auch medikamentös unterstützen: Superpep forte Reisekaugummis, Vomex A Kapseln eine Stunde vor Antritt der Reise (Vorsicht Nebenwirkung: Müdigkeit!) einnehmen, bei Seekrankheit Scopolamin-Pflaster vor Betreten des Schiffes hinter dem Ohr aufkleben. Als pflanzliche Alternative eignet sich Ingwer. Auch Entspannungsübungen können helfen!
Die beliebte Sportart Tauchen ist eine Herausforderung für den Körper, gerade in exotischen Gegenden. Was sollte beachtet werden?
Tauchen Sie nur dann, wenn Sie vorher ärztlich auf Tauchtauglichkeit untersucht wurden. 24 Stunden nach und vor einem Flug nicht tauchen, nur infektfrei und körperlich fit tauchen. Auch sollten Sie nie alleine tauchen, unbedingt einen ausreichenden Zeitabstand zwischen den einzelnen Tauchgängen einhalten, keinen Alkohol oder sedierende Medikamente vor dem Tauchgang einnehmen oder in Gewässern mit stark absinkenden Wassertemperaturen tauchen.
Seriöse Tauchschulen verlangen ein ärztliches Attest, welches die Tauch-Tauglichkeit bescheinigt. Was sagt diese aus?
Für dieses Attest werden Nase, Nasennebenhöhlen und Ohren, Lunge, obere und unteren Atemwege, Herz und Kreislauf untersucht. Es wird die Tauglichkeit zum Tauchsport geprüft, d.h. die individuelle Eignung, je nach Anatomie und Vorerkrankungen, um Tauchunfällen vorzubeugen. Wir führen die Tauch-Tauglichkeits-Untersuchung nach den Richtlinien der GTÜM (Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin) durch.
Was ist beim Baden in tropischen Binnengewässern zu beachten?
Infektionsgefahr besteht vor allem in stehenden Süßwasser-Gewässern durch z.B. Saugwürmer mit dem Risiko der Übertragung der Bilharziose. Also am besten nicht baden in Risikogebieten, da die Infektion über die Haut beim Schwimmen erfolgt! An Stränden nicht barfuß laufen, immer Badeschuhe tragen, auch hier besteht Infektionsgefahr durch verschiedene Würmer.
Wenn Sie sich gut vorbereiten und einige Vorschriften einhalten können Sie unbeschwert Ihren Urlaub genießen und vor allem gesund zurückkehren. Wir wünschen Ihnen einen schönen und erholsamen Urlaub!



