Winterzeit: Was Ihre Haut jetzt braucht.


Die Haut ist mehr als nur eine Hülle des Körpers. Sie ist flächenmäßig das größte und funktionell das vielseitigste Organ des Menschen. Sie ist Sensor- und Schaltzentrale für viele unserer Sinneswahrnehmungen, wichtigstes Element bei der Regulation der Körpertemperatur und Schutzschild in einem.

Umwelt- und Witterungseinflüsse strapazieren die Haut und ihren biologischen Schutzfilm. Gerade die Winterzeit mit dem ständigen Wechsel von trockener Heizungsluft und Minuten später klirrender Kälte ist eine einzige Stressperiode. Die Haut reagiert gereizt, wird trocken, spröde und rötet sich. Mit welchem Schutzmantel man am besten überwintert, erklärt Dermatologe, Professor Dr. med. Volker Steinkraus, Leiter des Hamburger Dermatologikum und Partner bei stadtärzte.de.

Weshalb ist gerade die kalte Jahreszeit eine raue Zeit für unsere Poren?

In der kalten Jahreszeit wird die Haut an zwei Fronten gestresst. Erstens führt die kalte Außentemperatur zur vermehrten Austrocknung der Haut. Dass Kälte austrocknet, ist als physikalisches Phänomen bekannt. Wer nasse Wäsche bei Frost in den Garten hängt, stellt fest, dass diese trocknet. Zweitens kommt es dann in Innenräumen zu einer weiteren Austrocknung der Haut, da diese bekanntermaßen meist zu trocken und überwärmt sind. Diesen Zweifrontenkrieg kann die Haut nur bestehen, wenn sie einen exzellenten Eigenschutz, d. h. eine gute Barriere hat und zusätzlich gut gepflegt wird.  

Welche Körperzonen brauchen besonders sorgfältigen Schutz gegen Wind und Wetter?

Am empfindlichsten sind die Handrücken und das Gesicht. Im Gesicht wiederum sind die Lippen und die Ohrmuscheln am stärksten betroffen. Die Pflege ist in diesen Regionen deshalb besonders wichtig und sollte aus Urea und glycerinhaltigen Cremes bestehen. In der Lippenregion eignen sich besonders Pflegeprodukte auf Bienenwachsbasis.

Worauf muss man bei der Pflege achten? Sollte die Haut anders gereinigt werden als in wärmeren Zeiten?

Die Reinigung der Haut sollte im Winter in der Tat milder erfolgen, da die waschaktiven Substanzen und Tenside der Haut zusätzlich wertvolle Fette rauben. Ich empfehle beim Baden keine Schaumbäder, sondern eher pflegende Zusätze zum Badewasser. Beim Duschen eignen sich Duschöle und der Duschvorgang sollte auch nicht zu lang und zu heiß sein. Grundsätzlich sollten nach der Ganzkörperwäsche pflegende Produkte aufgetragen werden.

Was tun, wenn die Haut so trocken ist, dass sie juckt und sich entzündet?

Wenn die Haut anfängt zu jucken und sich zu entzünden, dass heißt, rot, rissig und schuppig wird, ist es höchste Zeit für eine intensivierte Pflege sowie gegebenenfalls auch für einen Besuch bei einem Hautarzt. Er kann meist durch die Verordnung von antientzündlichen Cremes zu einer raschen Besserung beitragen.

Wie schützt man sich beispielsweise im Skiurlaub am besten gegen die intensive Wintersonne?

Die intensive Wintersonne kann genauso gefährlich sein wie die intensive Sommersonne. Im Winter kann noch die Reflektion durch den Schnee hinzukommen, was die Intensität der Sonneneinstrahlung weiter erhöht. Grundsätzlich ist auch im Winter der textile Sonnenschutz der Beste, das heißt, Kleidung, wie ein ins Gesicht gezogener Schal und eine Mütze, können wichtige Partien schon einmal abdecken. Zusätzlich sollte im Winter eine Sonnenbrille getragen werden. Die Hautregionen, die dann immer noch sonnenexponiert sind, können mit einem hohen Lichtschutzfaktor von 30 oder höher, der rechtzeitig vorher aufgetragen werden sollte, eingecremt werden.  

Muss man generell auch in der sonnenärmeren Winterzeit auf einen Schutzfaktor in Cremes achten?

Selbstverständlich. Der Schutzfaktor in einer Sonnenschutzcreme ist im Winter genauso wichtig wie im Sommer. Gegebenenfalls sogar noch wichtiger, da die Haut im Winter wenig an die Sonne gewöhnt ist und dann bei plötzlicher Exposition im Skiurlaub und beim Urlaub in einer wärmeren Region besonders sensibel reagier

Worauf sollte man in der Ernährung achten, damit die Haut gut überwintern kann?

Es gibt inzwischen eine Reihe von hautprotektiven Nahrungsmitteln, die auch im Winter besonders zu empfehlen sind. Hierzu zählen Pflanzenfarbstoffe wie Karotinoide (besonders reichhaltig enthalten in Mohrrüben und Tomaten), Polyphenole (zum Beispiel in grünem Tee) sowie Flavonoide und Vitamine. Generell ist auch die mediterrane Kost mit hohen Anteilen an mehrfach ungesättigten Fettsäuren günstig für die Haut. Die Faustregel ist, dass schützende Nährstoffe für Herz und Kreislauf meist auch gut für die Haut sind.

(Das Interview führte: Claudia Rammin)