Dr. J. Hummelsberger

Interview mit
Dr. J. Hummelsberger

Praxisgemeinschaft
für Chinesische
Medizin München

Detox: Frühlingsputz für Körper und Seele?


Den Winter über sammeln wir durch die Ernährung, durch Luft- und Bewegungsmangel Schadstoffe, Schlacken, Unverdautes an. Naturheilärzte sprechen von der Übersäuerung des Körpers. Wie jedes Jahr zur Fastenzeit kursiert das Zauberwort "Detox" –  entlasten, entsäuern und entschlacken, damit wir gesund, vital und verjüngt in den Frühling starten. stadtaerzte-Mediziner Dr. Josef Hummelsberger, Internist, Experte für Naturheilverfahren und TCM in einer Praxisgemeinschaft für Chinesische Medizin (TCM) in München, erklärt in einem Interview, ob unser Körper wirklich eine Müllhalde ist, wie schädlich Gifte sind und wie man aus naturheilkundlicher Sicht den Körper sinnvoll entlastet.

Günstig für eine 'Entgiftungskur' oder Entschlackungstage ist laut TCM jene Zeit, die gemäß dem Chinesischen Kalender dem Holzelement zugeordnet ist. Dieses steht für die Jahreszeit Frühling, für Energie, Bewegung und Wachstum. Weshalb ist gerade dann eine 'Grundreinigung für Körper und Seele' sinnvoll?

Im Frühling steigen die Energien auf, alles will ausbrechen, Raum gewinnen und sich von alten Dingen lösen. In der TCM ist deshalb das Frühjahr die beste Zeit, wenn der Körper sich energetisch auf die sich ändernden Verhältnisse umstellt, einige Tage zu fasten (zum Beispiel Heilfasten nach Buchinger) oder auf bestimmte Nahrungs- und Genussmittel zu verzichten. Neben der Entschlackung und einer leichten Gewichtsabnahme ist dabei auch das Ziel, die Nahrung wieder anders wahrzunehmen, zu schmecken, besser zu verdauen.

Was sind die Ursachen für eine 'Vergiftung' des Körpers? Wo lauern die Alltagsgifte?

Die Ursachen liegen in unserer unausgewogenen Ernährung mit zu viel Fett, zu viel Zucker, Alkohol und Fleisch. Dadurch kommt es leicht zur Überladung, in den lebenswichtigen Organen wie Nieren, Leber oder Darm lagern sich Schlacken ab. Die belasten den Stoffwechsel, die fein abgestimmten Prozesse unseres Verdauungssystems geraten aus dem Takt.

Welche Symptome deuten darauf hin, dass der Körper überbelastet ist?


Anzeichen sind Völlegefühl, Blähungen, Verdauungsstörungen, Durchfall, aber auch Verstopfung. Man fühlt sich wie erschlagen, ist erschöpft, unkonzentriert oder gereizt (Burnout), leidet unter  Kopfschmerzen und Schlafstörungen, das Immunsystem ist nicht mehr stark genug, Infekte häufen sich.

Ist eine Reinigungskur für jeden geeignet? Gibt es einen so genannten Entschlackungstyp?


Bei schweren Krankheiten oder unklaren Beschwerden, bei akuten Infekten ist von einer solchen Kur abzuraten. Sonst kann eigentlich jeder einen inneren 'Frühjahrsputz" vornehmen. Die damit einhergehende Ernährungsumstellung kann generell auch der Beginn eines neuen, gesünderen Lebensstils sein.

Inwieweit spielt die Psyche eine Rolle? Muss nicht auch die Seele von Ballast befreit werden, um einen ganzheitlichen Effekt zu erzielen?


Fasten ist immer auch eine spirituelle Reise, bei der Seelenmüll abgeworfen wird. Der Verzicht zum Beispiel auf TV, Zeitungen oder Internet sind sehr sinnvoll.

Welche Methoden oder Kuren zum sanften innerlichen 'Hausputz' empfehlen Sie als Heilpraktiker und Internist?

Ich empfehle modifiziertes Heilfasten. Zwei Tage Vorbereitung: Am 1. Tag nur leichte Kost, kein Fett, nichts Gebratenes mehr. Am 2. Tag nur Suppen, Reis. Am ersten Fastentag Abführen mit 30-50 g Glaubersalz in 500 ml Wasser lösen und trinken, (gegen den Geschmack danach in Zitronenschnitz beißen), 3-4 l Flüssigkeit trinken, keine feste Nahrung. Erlaubt: ein Glas Saft, eine Tasse klare Gemüsebrühe (mittags) – das Ganze fünf Tage lang. Am Ende Kostaufbau wie die beiden ersten Tage.

Welche Begleitmaßnahmen von Außen sind sinnvoll?

Nehmen Sie sich einige Tage Zeit, vermeiden Sie Stress. Gönnen Sie sich eine Massage, bewegen Sie sich in der frischen Luft.

Sollte man seinen Körper außer im Frühling nicht auch sonst regelmäßig entlasten?


Generell kann man sich durch gesunde Ernährung entlasten, ausbalanciert und nach seinem Typus.

Seit Jahren gibt es den Streit zwischen der Schulmedizin und der Naturheilkunde, wonach es eigentlich keine Schlacken im Körper gäbe, er Selbstreinigungsmechanismen besitze und deshalb eine Entschlackung auch nicht nötig sei. Was halten Sie davon?


Das ist abhängig von den vielfältigen Belastungen, denen der moderne Mensch ausgesetzt ist: zu viel Nahrung, zu Fettes, zu viel Zucker, Alkohol, Fleisch. Nachweislich erzeugt das die Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Hypertonie, Fettstoffwechselstörungen. Fasten kann zur Verminderung beitragen und dass ein anderes Bewusstsein auch für Essen und Gesundheit entsteht. Klassische Naturheilverfahren sind klinisch durchaus erprobt, es werden umfangreiche Studien dazu derzeit durchgeführt. Fasten ist therapeutisch nachweislich wirksam bei Rheuma, aber auch bei anderen Krankheiten sinnvoll.

(Das Interview führte: Claudia Rammin)


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