HAMBURG

Kinderwunschzentrum
Altonaer Straße

Praxis für gynäkologische
Endokrinologie und
Reproduktionsmedizin
Altonaer Straße 59
20357 Hamburg
Tel: 0 40 - 3 06 83 60

IRC

Institut für Reproduktions-
medizin & Cryokonservierung
Spermabank Hamburg
Altonaer Straße 62
20357 Hamburg
Tel: 0 40 - 38 69 94 06

Fertility Center Hamburg
Speersort 4
20095 Hamburg
Tel: 0 40 - 30 80 44 00

MÜNCHEN

Hormon Zentrum
Praxisklinik für Kinderwunsch
und Endokrinologie
Westendstraße 193 - 195
80686 München
Tel: 0 89 - 54 70 41 - 0

Kinderwunsch Centrum
Lortzingstraße 26
81241 München
Tel: 0 89 - 24 41 44 - 0

Ludwig-Maximilians
Universität (LMU)

Klinik und Poliklinik für
Frauenheilkunde &
Geburtshilfe Klinikum
Maistrasse 11
80337 München
Tel: 0 89 - 51 60 - 42 14

Hormon- und Kinderwunsch-
zentrum Universitätsklinikum
München - Grosshadern
Marchioninistraße 15
81377 München
Tel: 0 89 - 70 95 - 68 25

Institut für Samenspende
und Insemination der Cryobank
VIAVIT GmbH im MediCenter Solln
Wolfratshauserstraße 216
81479 München
Tel: 0 89 - 72 77 98 27

 

DIAGNOSE - Kinderwunsch


Bin ich bereit für das größte Abenteuer im Leben?


„Es ist pure Ironie, dass die Schwangerschaftstests neben den Kondomen hängen“, denkt Katja Krämer, wenn sie eine der länglichen Pappschachteln  in ihren Einkaufskorb legt. Der Kauf der Stäbchen mit den beiden Fenstern ist zum Ritual geworden, wenn sich ihre Regel verspätet. Beim ersten Mal haben ihre Hände vor dem Ständer im Drogeriemarkt noch unmerklich gezittert. Zu Hause hat sie den Beipackzettel gewissenhaft gelesen und die Anweisungen genau befolgt. „Zwei Minuten können so lang sein“, sagt die 35-Jährige. Während sie auf das Ergebnis wartet, werden ihre Hände kalt und feucht, das Herz rast. „Ein schreckliches Gefühl. Noch schlimmer als in der Schule, wenn die Zeugnisse verteilt wurden“, erklärt die junge Frau. Die Augen stieren auf die leere Stelle, auf der die ersehnte Linie erscheinen soll: schwanger. Bis jetzt verfärbte sich immer nur der Strich im Kontrollfenster. Das bald folgende Ziehen im Unterleib kündigte mal wieder nur die monatliche Blutung an.

Katja wünscht sich ein Kind. „Ja, ich will ein Baby“, sagt sie laut und deutlich. Vor über einem Jahr war der Kinderwunsch noch diffus. Als Wunsch oder Verlangen hätte sie das unbestimmte Gefühl nicht bezeichnet, das schwer zu beschreiben ist. Es nagt nicht wie Hunger, Durst oder Müdigkeit, tut nicht weh wie frostkalte Füße, verbrühte Haut oder ein Schnitt im Finger. „Meine Reaktionen überraschten mich“, erzählt Katja. „Ich musste plötzlich Frauen mit Babybäuchen nachgucken, Müttern, die ihre Kinder vor den Bauch gebunden hatten oder im Wagen schoben. Ich erwischte mich sogar dabei, wie ich mir ein Kissen unter den Pulli stopfte“, gesteht die junge Frau, rollt mit den Augen und lacht verschämt.

Ihr Mann Björn und sie beschlossen, die Verhütung abzusetzen und einfach abzuwarten, was passiert. Sie lebten weiter wie bisher. „Nur Folsäure-Tabletten nehme ich seitdem“, sagt Katja. Das „Schwangerschafts-Vitamin“ ist wichtig für die Entwicklung von Rückenmark, Gehirn und Nervenzellen des Embryos schon im Frühstadium, und seine Einnahme senkt erheblich das Risiko für Missbildungen. Mehr haben die beiden in Sachen Nachwuchsplanung jedoch nicht unternommen.

„Die ersten Monate war ich froh, dass meine Regel kam“, sagt die Mittdreißigerin. Aber nach ein paar Monaten macht man sich seine Gedanken: „Stimmt etwas mit mir nicht, oder bin ich schon zu alt?“ Biologisch gesehen ist Anfang und Mitte 20 die beste Zeit, ein Baby zu bekommen. In diesen Jahren ist die Fruchtbarkeit am höchsten und das Risiko für Missbildungen beim Baby am geringsten. Doch in diesem Alter waren den beiden Krämers andere Dinge wichtig: Studium, Ausland, die ersten Kurven im Berufsleben kriegen. Kinder kamen in ihrem turbulenten Leben nicht vor. „Wir haben ja noch so viel Zeit“, waren sie überzeugt.

Elf Jahre später sieht die Sache schon anders aus. Nach einem Jahr ohne Pille und  immer noch ohne Baby will Katja jetzt Nägel mit Köpfen machen. „Ja, ein bisschen Torschlusspanik spielt auch eine Rolle“, gibt sie zu. Auch zwei Freundinnen, beide im Alter zwischen Mitte und Ende 30, werden einfach nicht schwanger. Woran es liegt, wissen sie nicht, denn medizinisch ist alles in Ordnung. Vielleicht arbeiten sie zu viel, haben zu viel Stress oder setzen sich zu sehr unter Druck. Mit Mitte 30 sinkt die Fruchtbarkeit, gleichzeitig steigt das Risiko für Fehlbildungen beim ungeborenen Kind. Und bei über 40-jährigen Frauen liegt die Wahrscheinlichkeit, dass sie natürlich schwanger werden, nur noch bei knapp 20 Prozent.
 
Von seinen Baby-Plänen hat das Paar aus gutem Grund niemandem etwas erzählt. Mitleidige Fragen wie: „Hat es bei euch immer noch nicht geklappt? An wem liegt es denn?“ wollen sie erst gar nicht hören. Auch auf gut gemeinte Ratschläge, die gern mit den Worten „Bei uns …“ anfangen, können sie verzichten.

Druck will Katja vermeiden. Sie will nicht nach einem Blick in den Kalender ihren Mann zum Sex zwingen: „Liebling, der Eisprung naht, du musst jetzt ran!“ Doch in der Tat ist das Timing des Schäferstündchens ausschlaggebend, um schwanger zu werden. Deshalb kauft Katja Ovulationstests,  um ihre fruchtbaren Tage zu bestimmen. Um jeglichen Druck zu vermeiden, auch aus Angst, dass Björn auf Knopfdruck nicht will oder kann, soll er davon nichts mitbekommen. Männer können in manchen Dingen sehr sensibel sein.

Als der Teststreifen das erste Mal die empfängnisbereiten Tage ankündigt, läuft alles anders als geplant. Björn kommt spät von einem Meeting, ist gereizt und müde, reagiert ablehnend auf ihre Annäherungsversuche. Er ignoriert den liebevoll gemixten Cocktail aus Campari, Limetten und frischer Mango, dem eine erotisierende Wirkung nachgesagt wird. Katja ist enttäuscht.

Die nächsten Abende sind erfolgreich. Nun heißt es wieder warten, ob das Projekt Wunschkind erfolgreich war. Jedes Kribbeln im Bauch erzeugt Aufregung und auch ein wenig Angst. Kündigt es die Monatsregel oder deren Ausbleiben an? Und wieder einmal steht Katja mit klopfendem Herzen vor dem Regal mit den Schwangerschaftstests. Vor zwei Tagen hätte ihre Regel einsetzen sollen, aber das war ja schon häufiger der Fall. Zu Hause wird sie wieder hibbelig, ob eine zweite farbige Linie auf dem Teststreifen erscheint. Ein blauer Strich, der ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen würde.

Aber nicht alle Frauen sind so entspannt wie Katja. Majling Wu hat ihr Projekt „Baby“ mit der gleichen Präzision geplant wie ihre beruflichen Aufträge. „Eigentlich hätte ich jetzt schon Kinder, die in den Kindergarten gehen“, erzählt die 32-jährige Chinesin. Doch den richtigen Partner hat sie erst vor zwei Jahren kennengelernt.

Ihre fruchtbaren Tage markiert sie im Kalender. Kurz vor Büroschluss piept dann das Handy ihres Mannes Martin: „Schatz, heute Abend, unsere Chance!“. Ein Smiley mit Zwinkerauge beendet die SMS, und Martin muss immer lächeln, wenn er die Kurznachricht liest. Der drahtige 40-Jährige rasiert sich noch einmal und sprüht sich Parfum auf seine Brust. Er kennt seine abendlichen Pflichten und erfüllt sie gerne. „Ja, es ist schon ein Pflichttermin“, sagt Martin Wu und zuckt mit den Schultern. „Aber wir wünschen uns so sehr ein eigenes Kind, da muss man eben alles richtig machen“. Er seufzt kaum hörbar. „Es fehlt schon, eine Flasche Wein mit meiner Frau zu trinken und Sex nach Lust und Laune und nicht nach dem Kalender zu haben.“ Seitdem das Projekt „Baby“ in Planung ist, verzichtet auch Martin auf Alkohol. Sicher ist sicher.

Natürlich nimmt Majling Folsäure-Tabletten und ernährt sich sehr gesund. „Ich zähle keine Kalorien, sondern Vitamine“, erklärt die 32-Jährige. Alkohol hat sie schon länger von ihrem Speiseplan verbannt, und statt einer nachmittäglichen Latte macchiato mit Schokokeksen trinkt sie ein Glas stilles Wasser und schluckt dazu ein paar Vitaminpillen. Die ehemalige Leistungssportlerin hat ihr Training aufgegeben, und in der freien Zeit macht sie jetzt Luna-Yoga:
traditionelle Techniken und Übungen, die die Fruchtbarkeit der Frau fördern sollen.

Auch Majling hat schweißnasse Hände, wenn sie mit klopfendem Herzen auf den Schwangerschaftstest starrt und hofft, dass sich zwei Linien blau färben.

Einen Masterplan oder gar eine Garantie, schwanger zu werden, gibt es nicht. Wenn sich Paare mit Kinderwunsch unter großen Druck setzen, kann eine Barriere im Kopf entstehen. Diese kann so mächtig sein, dass bei eigentlich gesunden Partnern trotz sorgfältigen Timings, gesunder Ernährung und wenig Stress der Nachwuchs auf sich warten lässt. Die Stimmung verschlechtert sich, die Schuldzuweisungen nehmen zu, eine überaus frustrierende Situation macht sich breit. Manchmal hilft es eine Auszeit zu nehmen, das Baby-Projekt für einige Zeit auf Eis zu legen und wieder zu leben: Sex nach Lust und Laune, nicht nach Kalender, denn Erotik setzt Endorphine frei, die wiederum die Schwangerschaftshormone steigern.
Text: Silke Haas